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Montag, 16. April 2012

180. Geburtstag von...

Wilhelm Busch war gestern!
Da ist ja mal wieder ein Zitat fällig:

Ach, ich fühl′ es! Keine Tugend
Ist so recht nach meinem Sinn;
Stets befind′ ich mich am wohlsten,
Wenn ich damit fertig bin.
Dahingegen so ein Laster,
Ja, das macht mir viel Pläsier;
Und ich hab′ die hübschen Sachen
Lieber vor als hinter mir.
 
So aktuell wie eh und je ;-))

Freitag, 29. April 2011

Geburtstag von...

...Kasimir!
Kaum zu glauben, unser dicker Kater wird heute schon 10 Jahre alt!
Deshalb habe ich mal in meiner Fotokiste gekramt und ein paar "Babybilder" eingescannt - leider ist die Qualität nicht so berauschend.


Obwohl sein Lebensmotto heißt: "Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um" (d.h. am besten gar nicht bewegen), hat er mit uns doch schon einiges erlebt.

Wie bei anderen berühmten Persönlichkeiten auch, ist das Geburtsdatum nicht genau bekannt. Es war Ende April 2001 auf einem Bauernhof in Fleckeby (Schleswig-Holstein) - man nennt ihn daher auch den "Schwarzbunten". Eigentlich war uns ein Mädchen versprochen worden; der Tierarzt, der ihn untersuchte, sagte: "Die Katze ist ja gesund, aber wie kommen Sie denn auf den Namen Lolita? - Das scheint mir doch ein kleines Männlein zu sein!" So wurde er also umgetauft in Kasimir, denn als Kind hatte ich schon mal einen Kasimir, der zur Kasimine wurde...

Im Juli kam er an Bord und segelte mit uns nach Dänemark und Karlskrona. Er erwies sich als ideale "Reisekatze" und legte viele tausend Seemeilen per Schiff und viele Tausend Kilometer per Auto zurück.

Bloß einmal in Klintholm wollte er nicht mitsegeln - wir stellten den ganzen Hafen auf den Kopf, aber er blieb verschwunden. Notgedrungen fuhren wir los, alle Schiffscrews und der Hafenmeister wussten davon und er hatte ein Halsband mit seinem Namen und unserer Telefonnummer. Abends landeten wir in Stralsund und als der Hunger zu- und der Wind abnahm, saß Kasimir an der Pier, dort wo das Schiff gelegen hatte. Ein Yachtbesitzer nahm ihn auf, sperrte seinen Hund aus, gab Kasimir Hundefutter und rief uns an.
Zum Glück besuchten uns an dem Wochenende Freunde mit Auto - so fuhren sie mit mir am nächsten Tag von Stralsund nach Rostock, dort auf die Fähre nach Gedser, durch Falster und Møn nach Klintholm, nahmen Kasimir unter den Arm, der das alles ganz normal fand, und auf dem gleichen Weg wieder zurück. Die Freunde hatten sich ihren Wochenendausflug auch anders vorgestellt!


Größere Kartenansicht

Auch drei Umzüge hat er klaglos mitgemacht und verschiedene Hotelaufenthalte. Hauptsache wir sind dabei und es gibt eine vollen Napf und sein Klo. Eine Textiltapete in einem edlen Hotel im Elsaß war allerdings unwiderstehlich. *räusper*
Aber nun wird sein Leben ruhiger und so wünschen wir uns nochmal 10 Jahre mit ihm!
Ein weiteres Motto von ihm: "Wer schnurrt, hat Recht und darf alles!"

Freitag, 15. April 2011

schnell noch: Geburtstag von...

...Wilhelm Busch, meinem "Leib- und Magen"-Dichter, d.h. für alle Lebenslagen gibt es einen Spruch - jeden Sonntag suche ich mir einen aus.


Deshalb hier nur die Daten: * 15.4.1832 in Wiedensahl; † 9.1.1908 in Mechtshausen
weiter Infos bei wikipedia

Sonntag, 20. Februar 2011

Zitat der Woche


O weh! Er kommt ins Tellerbord; Die Teller rollen rasselnd fort.

aus: Hans Huckebein, der Unglücksrabe

Mein "Tellerbord" gibt es ja nun leider auch nicht mehr, aber morgen kommt die neue Küche!

Außerdem möchte ich mit diesem Post an meine Mutter erinnern, die morgen Geburtstag gehabt hätte - und natürlich auch an ihr "schwarzes Kind":

Samstag, 22. Januar 2011

Drachen

Habe ich euch schon erzählt, dass ich mal Drachen "gesammelt" habe? Alles begann in den Sommerferien in Klagenfurt - ich war damals 15 Jahre - vor dem Denkmal des Lindwurms. In allen Souvenirläden gab es kleine Drachenfiguren und Postkarten mit der Geschichte... (das erzähle ich euch ein anderes Mal)
Einige Jahre später sah ich auf dem Flohmarkt in Wien diese Bilder (die Blätter, gerahmt wurden sie später):

Und obwohl es mein Studenten-Budget sprengte, MUSSTE ich wenigstens eins haben!
Der Verkäufer erzählte mir, sie seien aus einer Mappe "Das Tier in der Kunst" und die bunten Vögel und Schmetterlinge seien schon alle verkauft, nur die Drachen wollte niemand. Er überredete mich dann, doch alle drei zu nehmen - und ich bin ihm noch heute dankbar! (geht es euch auch so: Man ärgert sich immer nur über das, was man NICHT gekauft hat!)

Jetzt hängen sie wieder im Schlafzimmer und ich habe die Gelegenheit genutzt, mal ein bisschen zu recherchieren:

Der Maler Prof. Anton Johann Nepomuk Seder, * 1.11.1850 München, † 12.1.1916 Straßburg, wurde 1890 zum ersten Direktor der in Straßburg neugegründeten Kunsthochschule (Ècole des Arts Décoratifs) berufen. Wie andere Jugendstilkünstler war er vielseitig aktiv, machte Entwürfe für Architektur und Skulpturen und war Mitherausgeber einer Kunstzeitschrift. Die Schule wurde unter seiner Leitung zu einem Zentrum der Jugendstilbewegung.

Freitag, 19. Februar 2010

Geburtstag von Johann Friedrich Naumann

Heute morgen klingelten die Kohlmeisen, als wollten sie den Frühling einläuten. Hoffentlich haben sie recht!


Dabei dachte ich an mein schönes neues (altes, neu bearbeitetes) Vogelbuch und stellte mit Erschrecken fest, dass ich schon wieder einen Geburtstag "verpennt" habe. Nun ja, der Jubilar ist schon über 150 Jahre tot und so wird man mir hoffentlich die 5 Tage Verspätung verzeihen.
  • Johann Friedrich Naumann
  • geboren am: 14.2.1780 in Ziebigk bei Köthen
  • gestorben am: 15.8.1857 in Ziebigk
Johann Friedrich wuchs auf dem Landgut seines Vaters Johann Andreas Naumann auf. Seine Schulausbildung endete früh, da sein Vater ihn in der Landwirtschaft brauchte. Von ihm, einem Autodidakten in den Naturwissenschaften und Technik, bekam er auch das Interesse für Naturbeobachtung und Vogelkunde. Schon früh half er seinem Vater bei der Bearbeitung seines ornithologischen Werkes und malte die frisch geschossenen Vögel "nach der Natur", die die Vorlagen für die Kupferstiche waren, später fertigte er auch die Stiche selber an. Zusammen legten sie eine Sammlung mit mehr als 700 Vögeln an.
Die Landwirtschaft brachte gerade genug zum Leben ein, so wurde für die Herausgabe des Vogelbuches an Druckkosten gespart, indem die Illustrationen im kleinen Oktavformat dargestellt wurden. leider wurden auch die Kupferplatten nach dem Druck häufig wieder abgeschliffen, um sie wiederverwenden zu können.
Nach den Wirren der napoleonischen Krieg fing Johann Friedrich an, das Werk seines Vaters zu einer "Naturgeschichte der Vögel Deutschlands" zu erweitern. Aus den geplanten vier wurden im Laufe von 25 Jahren 12 Bände, ein Lebenswerk.
Von 1896 bis 1905 wurde eine Zweite Auflage des "Naumann" herasugegeben, bei der aber die Abbildungen neu gestochen wurden (werden mussten) und der Text durch Fußnoten ergänzt und berichtigt wurde. Diese Abbildungen (auch schön, aber eben nicht von Johann Friedrich Naumann!) sind im Netz hier zu finden und von dort sind auch die oben abgebildeten Meisen. So, jetzt habe ich auch endlich die Kurve gekriegt.
Der Bearbeiter hält es jedoch nicht für nötig den Text zu übernehmen "wegen der Weitschweifigkeit der Beschreibungen". Zum Glück sah das der alte Alfred Brehm anders, deshalb hier etwas über die Kohlmeise von Naumann via Brehm:
"Es ist etwas Seltenes sie einmal einige Minuten lang stillsitzen oder auch nur mißgelaunt zu sehen. Immer frohen Mutes, durchhüpft und beklettert sie die Zweige der Bäume, der Büsche, Hecken und Zäune ohne Unterlass, hängt sich bald hier, bald da an den Schaft eines Baumes oder wiegt sich in verkehrter Stellung an der dünnen Spitze eines schlanken Zweiges, durchkriecht einen hohlen Stamm und schlüpft behende durch die Ritzen und Löcher, alles mit den abwechselndsten Stellungen und Gebärden, mit einer Lebhaftigkeit und Schnelle, die ins Possierliche übergeht."

Sonntag, 10. Januar 2010

Geburtstag von Annette von Droste-Hülshoff


  • Anna Elisabeth Franzisca Adolphina Wilhelmina Ludovica Freiin von Droste zu Hülshoff
  • Geboren: 10. 1. 1797 auf Schloß Hülshoff bei Münster/Westfalen (nach anderen Quellen: 12.1.)
  • gestorben am 24. 5. 1848 in Meersburg/Bodensee.

Annette von Droste-Hülshoff wurde am 10. Januar 1797 auf Schloss Hülshoff, einer alten Wasserburg, bei Münster als Tochter eines alten katholischen Adelsgeschlechtes geboren. Nachdem das Kirchenbuch korrigiert wurde, wird der 14. Januar als Geburtstag genannt, die Familie spricht vom 12. Januar.
Die Mutter, Therese Luise Droste-Hülshoff geb. von Haxthausen war eine strenge, energische Frau, der Vater, Clemens August Freiherr von Droste-Hülshoff, war der sanftere der beiden Elternteile.
In ihrer Kindheit erhielt Anette von Droste-Hülshoff Privatunterricht, in Fächern, die für Mädchen ihrer Zeit durchaus unüblich waren. Sie galt als musikalisch und sprachlich begabt. Mit 16 Jahren lernt sie bei einem Besuch bei Verwandten Wilhelm Grimm kennen.
Aufgrund einer langen Brieffreundschaft zu Anton Mathias Sprickmann ist viel von Droste-Hülshoffs Gefühlsleben bekannt. Sie schrieb ihm über ihre literarischen und Lebenspläne und ihren Gefühlen. Sie litt unter den Einschränkungen, die man ihr als Frau auferlegte und vermisste die Akzeptanz ihres eigenständigen Denkens. 1820 machte sie sich erste Notizen zur "Judenbuche".
Mit 23 Jahren verliebte sie sich in zwei miteinander befreundete Studenten, die sie im Haus ihrer Verwandtschaft kennen lernte. Es endete mit dem Bruch zu beiden Männern und mit dem Verlust der Zwanglosigkeit innerhalb der Familie. In dieser Zeit denkt sie sehr viel nach und entwickelt ein sozial-konservatives Bewusstsein, das sich später auch in ihren Werken äußert. In diesen Jahren schreibt sie den ersten Teil des Gedichtszyklus "Geistliches Jahr" und verarbeitet so ihre Lebens- und Glaubensprobleme. Als sie 1825 ihre Verwandten nach langer Zeit wieder besucht, lernt sie dort ihre wichtige und langjährige Freundin Sibylla Mertens-Schaafhausen kennen.
Nach dem Tod des Vaters 1826 zieht die Mutter gemeinsam mit ihren Töchtern nach Münster. Sie leben dort in relativer Zurückgezogenheit. In dieser Zeit entstehen viele ihrer Werke. Zu ihrem Gesamtwerk zählen erzählende Prosa, Dramenfragmente, Versepen sowie Romane. 1838 erschein ihr erster Gedichtband. In einem literarischen Kreis lernte sie ihren engen Freund Levin Schücking kennen. Schücking erkannte die Begabung von Anette von Droste-Hülshoff und unterstützte sie als Förderer. Auf sein Bestreben hin wurde ab 1842 die »Judenbuche« in Fortsetzungen in Cottas Morgenblatt veröffentlicht. 1844 erschien ihr zweiter Gedichtband. Vom Honorar erwarb sie ein Anwesen, ihr »Fürstenhäusle«, in der Nähe von Meersburg. Im September 1846 brach sie, körperlich schon sehr geschwächt, noch einmal von Rüschhaus nach Meersburg auf, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.
Text leicht verändert aus: Balladen.de

Und hier eines meiner Lieblingsgedichte :
(Gemälde von Ivan Constantinovich Aivazovsky (1817 - 1900): Die Rettung)
Es lässt sich gut auf langweiligen Ruderwachen an Bord zitieren - natürlich nur bei gutem Wetter! Ich denke auch imer, man müsste es gut zu einem Film verarbeiten können...


Die Vergeltung

I.

Der Kapitän steht an der Spiere,
Das Fernrohr in gebräunter Hand,
Dem schwarzgelockten Passagiere
Hat er den Rücken zugewandt.
Nach einem Wolkenstreif in Sinnen
Die beiden wie zwei Pfeiler sehn,
Der Fremde spricht: »Was braut da drinnen?«
»Der Teufel«, brummt der Kapitän.

Da hebt von morschen Balkens Trümmer
Ein Kranker seine feuchte Stirn,
Des Äthers Blau, der See Geflimmer,
Ach, alles quält sein fiebernd Hirn!
Er läßt die Blicke, schwer und düster,
Entlängs dem harten Pfühle gehn,
Die eingegrabnen Worte liest er:
»Batavia. Fünfhundertzehn.«

Die Wolke steigt, zur Mittagsstunde
Das Schiff ächzt auf der Wellen Höhn,
Gezisch, Geheul aus wüstem Grunde,
Die Bohlen weichen mit Gestöhn.
»Jesus, Marie! wir sind verloren!«
Vom Mast geschleudert der Matros',
Ein dumpfer Krach in aller Ohren,
Und langsam löst der Bau sich los.

Noch liegt der Kranke am Verdecke,
Um seinen Balken fest geklemmt,
Da kommt die Flut, und eine Strecke
Wird er ins wüste Meer geschwemmt.
Was nicht geläng' der Kräfte Sporne,
Das leistet ihm der starre Krampf,
Und wie ein Narwal mit dem Horne
Schießt fort er durch der Wellen Dampf

Wie lange so? er weiß es nimmer,
Dann trifft ein Strahl des Auges Ball,
Und langsam schwimmt er mit der Trümmer
Auf ödem glitzerndem Kristall.
Das Schiff! - die Mannschaft! - sie versanken.
Doch nein, dort auf der Wasserbahn,
Dort sieht den Passagier er schwanken
In einer Kiste morschem Kahn.

Armsel'ge Lade! sie wird sinken,
Er strengt die heisre Stimme an:
»Nur grade! Freund, du drückst zur Linken!«
Und immer näher schwankt's heran,
Und immer näher treibt die Trümmer,
Wie ein verwehtes Möwennest;
»Courage!« ruft der kranke Schwimmer,
»Mich dünkt ich sehe Land im West!«

Nun rühren sich der Fähren Ende,
Er sieht des fremden Auges Blitz,
Da plötzlich fühlt er starke Hände,
Fühlt wütend sich gezerrt vom Sitz.
»Barmherzigkeit! ich kann nicht kämpfen.«
Er klammert dort, er klemmt sich hier;
Ein heisrer Schrei, den Wellen dämpfen,
Am Balken schwimmt der Passagier.

Dann hat er kräftig sich geschwungen,
Und schaukelt durch das öde Blau,
Er sieht das Land wie Dämmerungen
Enttauchen und zergehn in Grau.
Noch lange ist er so geschwommen,
Umflattert von der Möve Schrei,
Dann hat ein Schiff ihn aufgenommen,
Viktoria! nun ist er frei!

II.

Drei kurze Monde sind verronnen,
Und die Fregatte liegt am Strand,
Wo mittags sich die Robben sonnen,
Und Bursche klettern übern Rand,
Den Mädchen ist's ein Abenteuer
Es zu erschaun vom fernen Riff,
Denn noch zerstört ist nicht geheuer
Das greuliche Korsarenschiff.

Und vor der Stadt da ist ein Waten,
Ein Wühlen durch das Kiesgeschrill,
Da die verrufenen Piraten
Ein jeder sterben sehen will.
Aus Strandgebälken, morsch, zertrümmert,
Hat man den Galgen, dicht am Meer,
In wüster Eile aufgezimmert.
Dort dräut er von der Düne her!

Welch ein Getümmel an den Schranken! -
»Da kommt der Frei - der Hessel jetzt -
Da bringen sie den schwarzen Franken,
Der hat geleugnet bis zuletzt.«
»Schiffbrüchig sei er hergeschwommen«,
Höhnt eine Alte: »ei, wie kühn!
Doch keiner sprach zu seinem Frommen,
Die ganze Bande gegen ihn.«

Der Passagier, am Galgen stehend,
Hohläugig, mit zerbrochnem Mut,
Zu jedem Räuber flüstert flehend:
»Was tat dir mein unschuldig Blut?
Barmherzigkeit! - so muß ich sterben
Durch des Gesindels Lügenwort,
O, mög' die Seele euch verderben!«
Da zieht ihn schon der Scherge fort.

Er sieht die Menge wogend spalten -
Er hört das Summen im Gewühl -
Nun weiß er, daß des Himmels Walten
Nur seiner Pfaffen Gaukelspiel!
Und als er in des Hohnes Stolze
Will starren nach den Ätherhöhn,
Da liest er an des Galgens Holze:
»Batavia. Fünfhundertzehn.«


Freitag, 25. Dezember 2009

Geburtstag von Juan Ramón Jiménez

Heute möchte ich an den Geburtstag eines spanischen Literaturnobelpreisträgers erinnern:
  • Juan Ramón Jiménez Mantecón
  • geboren: 24.12.1881 (nach anderen Quellen 23.12.) in Moguer (Provinz Huelva), Spanien
  • gestorben: 29.05.1958 in San Juan, Puerto Rico
Juan Ramón Jiménez wurde am 24.12.1881 als Sohn eines Weinhändlers in der Provinz Huelva in Andalusien geboren. Seit seinem 10. Lebensjahr besuchte er das Jesuitenkolleg von El Puerto de Santa Maria bei Cádiz. Die Einsamkeit in dem Kolleg verstärkte seine angeborene Neigung zu Depressionen. 1896 begann er ein Jurastudium in Sevilla, das er aber schon nach zwei Monaten abbrach. Er widmete sich stattdessen zunächst der Malerei und dann ganz der Poesie. Eine seelische Krise nach dem Tod seines Vaters 1900 machte den Aufenthalt in verschiedenen Sanatorien nötig. 1901 gelang ihm mit „Arias tristes“ der literarische Durchbruch. Durch den Verlust des väterlichen Erbes kam Jiménez in massive finanzielle Bedrängnis, dachte sogar an Suizid, übersiedelte 1905 ins andalusische Moguer, wo die Idee zu "Platero y Yo" entsteht, 1911 nach Madrid.
Hier begegnete er zahlreichen Künstlern der Zeit, dem Maler Salvador Dalí, dem Dichter Federico García Lorca, dem Philosophen José Ortega y Gasset u.a. Und er lernte hier Zenobia Camprubí, die Tochter einer Nordamerikanerin und eines spanischen Ingenieurs, der in Puerto Rico lebte, kennen, die wenig später seine Frau wurde. Für die Hochzeit reisten beide 1916 in die Vereinigten Staaten, eine Reise, die für Jiménez' Schaffen einen wichtigen Wendepunkt bedeutete. Vor dem Spanischen Bürgerkrieg floh das Ehepaar ebenfalls in die USA, lebte dann aber in verschiedenen Ländern Lateinamerikas und ließ sich ab 1951 endgültig in San Juan de Puerto Rico nieder, wo Juan Ramón Jiménez nur eineinhalb Jahre nach dem Tod seiner Frau starb. Den Nobelpreis am 10. Dezember 1956 in Stockholm nahm Jiménez nicht selbst entgegen, da er um seine gerade verstorbene Frau trauerte.
(Text aus verschiedenen Quellen zusammengefügt: wikipedia deutsch, spanisch, Fundacion JRJ; Porträt von Daniel Vázquez Díaz)


Die Prosadichtung Platero y Yo, die Geschichte einer Freundschaft zwischen dem Ich-Erzähler und einem kleinen Esel in 136 Prosaminiaturen, ist zu einem in allen Schichten und Kreisen geliebten Volksbuch der Spanier geworden. - Daraus ein kleines Zitat:
"Claro está, Platero, que tú no eres un burro en el sentido vulgar de la palabra, ni con arreglo a la definición del Diccionario de la Academia Española. Lo eres, sí, como yo lo sé y lo entiendo. Tú tienes tu idioma y no el mío, como no tengo yo el de la rosa ni ésta el del ruiseñor. Así, no temas que vaya yo nunca, como has podido pensar entre mis libros, a hacerte héroe charlatán de una fabulilla, trenzando tu expresión sonora con la de zorra o el jilguero, para luego deducir, en letra cursiva, la moral fría y vana del apólogo. No, Platero..."
"Es ist klar, Platero, dass du nicht ein Esel im gewöhnlichen Sinne des Wortes bist, noch wie ihn das Wörterbuch der spanischen Akademie definiert. Du bist einer, aber so, wie ich es weiss und verstehe: du hast deine Sprache und nicht die meine, wie ich nicht die Sprache der Rose habe, und diese nicht die der Nachtigall. Du brauchst also nicht zu befürchten, wie du vielleicht bei meinen Büchern gedacht hast, dass ich dich zum schwatzhaften Helden irgendeiner kleinen Fabel machen und deine klangvollen Äußerungen zu einem Zwiegespräch mit Fuchs oder Fink missbrauchen würde, um daraus, in Kursivschrift, die kalte und eitle Nutzanwendung der Fabel abzuleiten. nein, Platero..." (Übersetzung von Doris Deinhard aus dem Insel-Büchlein Nr. 578)

Freitag, 4. Dezember 2009

Geburtstag von Rainer Maria Rilke

Rosabella (s. auch rechte Spalte) erinnert in ihrem schönen Blog häufig an die Geburtstage berühmter Persönlichkeiten. Diese Sitte möchte ich aufgreifen und euch heute Rainer Maria Rilke vorstellen.
  • René (Karl Wilhelm Johann Josef) Maria Rilke
  • geboren: 04.12.1875 (Prag)
  • gestorben: 29.12.1926 (Valmont/Schweiz)

Österreichischer Dichter, einer der bedeutendsten Lyriker der Weltliteratur. Rilke schuf impressionistische Stimmungslyrik ('Larenopfer', 1896), Prosadichtung ('Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke', 1906), später sachliche Objektbeschreibungen ('Ding-Gedichte'), beschrieb Existenzproblematik ('Duineser Elegien', 1923, 'Sonette an Orpheus', 1923).

Nach einer unglücklichen Kindheit und dem verhassten Besuch einer Militärakademie entwickelte Rilke sich im Laufe der Jahre zu einem der bedeutendsten Autoren der Weltliteratur. Er führte ein ruheloses Leben »als Dichter«, ständig auf der »Durchreise«, unfähig, eine feste Beziehung aufzubauen (seine Ehe mit der Bildhauerin Clara Westhoff hielt nur 1 Jahr und wurde nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Ruth »freundschaftlich« beendet). Eine lebenslange Freundschaft verband ihn (ab 1897) mit der Schriftstellerin Lou Andreas-Salomé (1861-1937), mit der er auch Russland bereiste (1899). Von 1903-1906 war Rilke als Privatsekretär bei Auguste Rodin in Paris und Meudon tätig. Die Verbindung zerbrach 1906. Seine Ballade »Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke« (1899) machte ihn berühmt. Sein einziger Roman »Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge« (1910) ist ein einmaliges, autobiographisch gefärbtes Meisterwerk. Daneben schuf er zahllose Gedichte von faszinierender Sprachkraft.

Rainer Maria Rilke starb, nach langer, schwerer Krankheit an Leukämie, an der er seit 1923 litt.

(Text aus oppisworld.de)

Und hier ist eines meiner Lieblingsgedichte - mit einem sehr gut dazu passenden Bild von August Macke (1887- 1914):



Papageien-Park
Jardin des Plantes, Paris

Unter türkischen Linden, die blühen, an Rasenrändern,
in leise von ihrem Heimweh geschaukelten Ständern
atmen die Ara und wissen von ihren Ländern,
die sich, auch wenn sie nicht hinsehn, nicht verändern.

Fremd im beschäftigten Grünen wie eine Parade,
zieren sie sich und fühlen sich selber zu schade,
und mit den kostbaren Schnäbeln aus Jaspis und Jade
kauen sie Graues, verschleudern es, finden es fade.

Unten klauben die duffen Tauben, was sie nicht mögen,
während sich oben die höhnischen Vögel verbeugen
zwischen den beiden fast leeren vergeudeten Trögen.

Aber dann wiegen sie wieder und schläfern und äugen,
spielen mit dunkelen Zungen, die gerne lögen,
zerstreut an den Fußfesselringen. Warten auf Zeugen.